8. Oktober 202616 Min.
MPU wegen Punkten und Straftaten: was der Gutachter prüft
Was prüft die MPU wegen Punkten und Straftaten?
Bei einer MPU wegen Punkten oder Straftaten gibt es keinen Laborwert, der deine Veränderung zeigt. Was sich bei dir geändert hat, muss im Gespräch mit dem Gutachter nachvollziehbar werden. Deshalb ist diese Fragestellung nach unserer Einschätzung besonders anspruchsvoll. Die amtliche Statistik für 2024 weist je nach Anlassgruppe 42 bis 45 Prozent der Begutachtungen mit dem Ergebnis ungeeignet aus, ohne dass diese Zahlen zeigen, wer vorbereitet kam.
Geprüft wird nicht, ob du die Regeln kennst. Der Gutachter will verstehen, warum du sie gebrochen hast und wie du heute mit Ärger und Zeitdruck umgehst. Dazu kommt die Frage, ob diese Veränderung im Alltag hält.
Zwei Hürden machen das schwer: der fehlende Laborbeleg und eine Ursache, die nach unserer Erfahrung selten dort liegt, wo Betroffene sie suchen. Wir arbeiten deshalb mit der Drei-Säulen-Methode, den drei Dingen, die der Gutachter sehen will: echte Ursachen und Auslöser, stabile Veränderung, konkrete Rückfallstrategie.
Sechs Punkte zur MPU wegen Punkten und Straftaten
Bei acht oder mehr Punkten im Fahreignungsregister entzieht die Fahrerlaubnisbehörde die Fahrerlaubnis, wenn sie vorher ermahnt und verwarnt hat. Die MPU ordnet sie in der Regel erst bei der Neuerteilung an.
Bei erheblichen oder wiederholten Verkehrsverstößen und bei Straftaten mit Bezug zum Straßenverkehr oder zur Kraftfahreignung kann die Behörde eine MPU anordnen, auch wenn bei der Tat kein Fahrzeug im Spiel war.
Einen Laborwert, der Regeltreue belegt, gibt es nicht. Die Veränderung muss im psychologischen Untersuchungsgespräch nachvollziehbar werden.
Äußere Umstände erklären den Auslöser, nicht die Ursache. Die Beurteilungskriterien verlangen ein Erklärungsmodell, das an inneren Bedingungen ansetzt.
Der Gutachter ordnet deine Auffälligkeiten nach fünf möglichen Ursachen ein, die die Beurteilungskriterien, 5. Auflage, beschreiben (V-Hypothesen, V 1 bis V 5).
Wir empfehlen mindestens sechs Monate mit sichtbarer Verhaltensänderung zwischen letztem Delikt und Gutachten.
Der erste Schritt ist ein kostenloses Erstgespräch
Im kostenlosen Erstgespräch klopfen wir ein paar Eckdaten ab und vereinbaren den Termin für das Kennenlerngespräch. Du musst am Telefon nichts erzählen, was du noch nicht erzählen willst. Ruf uns an unter 0234 606 19 888, Montag bis Freitag von 10 bis 20 Uhr, oder vereinbare ein Erstgespräch. Was dieser Text offenlässt, etwa wo du mit deinen Punkten gerade stehst, klären wir dort mit dir.
Warum ist die MPU wegen Punkten und Straftaten besonders anspruchsvoll?
Die MPU wegen Punkten und Straftaten ist nach unserer Einschätzung besonders anspruchsvoll, weil zwei Hürden zusammenkommen. Kein Laborwert stützt deine Veränderung, und die eigentliche Ursache liegt nach unserer Erfahrung selten dort, wo Betroffene sie zuerst suchen. Beides muss sich im Gespräch klären lassen. Die Akte ist dafür ein erster Anhaltspunkt, tragen muss deine Erklärung.
Die Bundesanstalt für Straßenwesen zählte 2024 insgesamt 75.257 Begutachtungen. 17.764 davon, also 23,6 Prozent, betrafen Verkehrsauffälligkeiten, sonstige Straftaten oder beides. Als ungeeignet galten bei reinen Verkehrsauffälligkeiten 42,0 Prozent, bei sonstigen strafrechtlichen Auffälligkeiten 42,8 Prozent und bei der Kombination aus beidem 45,1 Prozent. Über alle Anlässe waren es gut 39 Prozent.
Eine Einschränkung gehört dazu. In den Zahlen, die wir hier nennen, ist nicht ausgewiesen, ob jemand vorbereitet zur Begutachtung kam. Dass wir die Fragestellung für besonders anspruchsvoll halten, ist unsere fachliche Einschätzung, kein statistischer Befund. Was das für dich heißt: Die Zahlen zeigen, wo die Hürde liegt, nicht, wie es bei dir ausgeht. Die Hürde ist eine Erklärung, die trägt, und die lässt sich vorbereiten.
Welche Anlässe sonst zu einer MPU führen, ordnen alle Ratgeber zur MPU nach Anlass und Verfahren ein.
Wann führen Punkte zur MPU?
Punkte führen nicht direkt zur MPU, sondern zuerst zum Verlust der Fahrerlaubnis. Ergeben sich im Fahreignungsregister acht oder mehr Punkte und hat die Behörde vorher ermahnt und verwarnt, gilt der Inhaber als ungeeignet, und die Fahrerlaubnisbehörde muss die Fahrerlaubnis entziehen. Die MPU kommt erst danach, wenn du eine neue Fahrerlaubnis beantragst.
Der Weg dorthin läuft in Stufen: Bei vier oder fünf Punkten ermahnt die Behörde, bei sechs oder sieben verwarnt sie. Erst die dritte Stufe kostet die Fahrerlaubnis, ohne Ermessensspielraum. Die Entziehung kommt also nicht ohne Vorwarnung: Hat die Behörde noch nicht verwarnt, verwarnt sie zuerst und setzt den Punktestand auf sieben. Acht Punkte in der Auskunft heißen deshalb nicht automatisch, dass die Fahrerlaubnis weg ist, entscheidend ist, ob vorher ermahnt und verwarnt wurde.
Nach der Entziehung darf eine neue Fahrerlaubnis frühestens nach sechs Monaten erteilt werden. Die sechs Monate laufen ab der Ablieferung deines Führerscheins. Musstest du ihn nicht abliefern, laufen sie ab der Wirksamkeit der Entziehung. Für den Nachweis, dass die Eignung wiederhergestellt ist, ordnet die Behörde dann in der Regel ein medizinisch-psychologisches Gutachten an. Das Gesetz formuliert die MPU damit als Regelfall der Neuerteilung. Die Rechtsgrundlage ist § 4 Abs. 5 und Abs. 10 StVG.
Wann führen Straftaten zur MPU?
Straftaten können zur MPU führen, wenn sie Zweifel an deiner Fahreignung begründen. Die Behörde kann sie dann anordnen, muss es aber nicht. Das betrifft erhebliche oder wiederholte Verkehrsverstöße, erhebliche oder mehrere Straftaten im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr und Straftaten mit Bezug zur Kraftfahreignung, etwa bei hohem Aggressionspotenzial. Ein Fahrzeug muss bei der Tat selbst nicht im Spiel gewesen sein. Typische Beispiele für Straftaten im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr sind Nötigung, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort (§ 142 StGB) und Fahren ohne Fahrerlaubnis (§ 21 StVG). Ob die Behörde deshalb eine MPU anordnet, entscheidet sie im Einzelfall.
Die Fahrerlaubnis-Verordnung nennt diese Anlässe in § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 4 bis 7 FeV. Anders als bei Punkten kann die Anordnung ergehen, solange du die Fahrerlaubnis noch besitzt, und nach einem Entzug aus diesen Gründen auch bei der Neuerteilung.
Dass auch eine Körperverletzung ohne Auto zählt, begründen die Beurteilungskriterien fachlich. Der enge Zusammenhang zwischen allgemeiner Kriminalität und Verkehrsdelinquenz könne „als wissenschaftlich gesichert gelten“. Nach dieser Logik sagt der Umgang mit Regeln im Alltag etwas über den Umgang mit Regeln im Verkehr. Das ist eine Aussage über Gruppen, kein Etikett für dich. Was das für dich heißt: Der Gutachter schaut auf deinen Umgang mit Regeln insgesamt, und genau dort kannst du Veränderung zeigen.
Hat ein Strafgericht dir die Fahrerlaubnis entzogen (§ 69 StGB), setzt es zugleich eine Sperre von sechs Monaten bis fünf Jahren fest, die mit der Rechtskraft des Urteils beginnt (§ 69a Abs. 1 und 5 StGB). Den Antrag auf Neuerteilung kannst du frühestens sechs Monate vor ihrem Ablauf stellen (§ 20 Abs. 4 FeV). Ob sich die Sperre verkürzen lässt, erklärt der Ratgeber Sperrfrist verkürzen.
Für Fahranfänger gilt eine eigene Spur, mehr dazu im Ratgeber, wann in der Probezeit eine MPU droht.
Welcher Anlass führt über welche Norm zur MPU?
Die Fahrerlaubnisbehörde stützt eine Anordnung bei Punkten und Straftaten auf das Straßenverkehrsgesetz oder die Fahrerlaubnis-Verordnung.
| Anlass | Rechtsgrundlage | Was folgt |
|---|---|---|
| Acht oder mehr Punkte, nach Ermahnung und Verwarnung | § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 3 und Abs. 10 Satz 4 StVG | Entziehung, MPU bei Neuerteilung in der Regel |
| Erhebliche oder wiederholte Verkehrsverstöße | § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 4 FeV | MPU kann angeordnet werden |
| Erhebliche Straftat oder mehrere Straftaten im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr | § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 FeV | MPU kann angeordnet werden |
| Straftat mit Bezug zur Kraftfahreignung | § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 6 und 7 FeV | auch ohne Fahrzeug, etwa bei Aggression |
| Neuerteilung nach Entzug aus diesen Gründen | § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 9 FeV | MPU kann angeordnet werden |
Kurz gesagt: Einen Kurs statt Gutachten gibt es hier nicht. Bei einer Anordnung wegen acht Punkten oder nach § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 4 bis 7 FeV ist der Weg „Kurs statt Gutachten“ ausgeschlossen (§ 11 Abs. 10 Satz 2 FeV). Anerkannte Kurse gibt es ohnehin nur für Alkohol und Drogen, die über eigene Vorschriften laufen.
Was sagt das Straßenverkehrsgesetz zu acht Punkten wörtlich?
ergeben sich acht oder mehr Punkte, gilt der Inhaber einer Fahrerlaubnis als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen und die Fahrerlaubnis ist zu entziehen.
Die MPU selbst folgt erst bei der Neuerteilung, dort ordnet die Behörde sie in der Regel an.
Warum gibt es bei Punkten und Straftaten keinen Laborbeleg?
Bei Punkten und Straftaten gibt es keinen Laborbeleg, weil sich Regeltreue nicht messen lässt. Eine Haar-, Urin- oder Blutprobe zeigt, ob jemand Alkohol oder Drogen konsumiert hat. Ob du unter Zeitdruck die Geschwindigkeit hältst oder dich nicht mehr provozieren lässt, zeigt keine Probe.
Bei Alkohol und Drogen trägt ein Abstinenznachweis über sechs, zwölf oder fünfzehn Monate einen Teil der Beweislast. Ein gutes Gespräch ersetzt er aber auch dort nicht. Bei Punkten und Straftaten fehlt dieser Anker ganz. Deine gesamte Veränderung muss im psychologischen Untersuchungsgespräch überzeugen.
Ganz ohne Material arbeitet der Gutachter trotzdem nicht. Er hat deine Führerscheinakte als ersten Anhaltspunkt, dazu können Persönlichkeitstests kommen, sofern die Begutachtungsstelle sie einsetzt. Eine Fahrverhaltensbeobachtung, bei der Fahrlehrer und Gutachter mitfahren, kommt nach unserer Erfahrung selten vor.
Die Akte ist der Maßstab für die Stimmigkeit deiner Angaben. Der Gutachter misst deine Schilderung daran, und ein Zahlenfehler wirkt dann wie ein Widerspruch. Deshalb raten wir zu genau einer Notiz im Gespräch: einer Deliktübersicht mit Daten und Zeiträumen.
Was ist die Falle der äußeren Ursachen?
Die Falle der äußeren Ursachen besteht darin, die eigenen Verstöße mit den Umständen zu erklären: Zeitdruck, der Chef, ein schlecht sichtbares Schild, der Drängler hinter dir. Äußere Umstände erklären den Auslöser, nicht die Ursache. Der Gutachter will wissen, warum diese Umstände dein Verhalten bestimmen durften.
Nach der Beratungserfahrung von MPU Guru suchen die meisten den Grund zunächst im Außen. Das ist menschlich, im Gespräch trägt es aber nicht.
Die Beurteilungskriterien sind an dieser Stelle eindeutig. Für alle Fallgruppen gilt dort, „dass nur internale Erklärungsansätze die Basis für eine stabile Verhaltensänderung bilden können“. Internal heißt: Die Erklärung setzt bei dir an, bei deinen Motiven und Gewohnheiten. Sätze wie „Ich war in Eile“ können sich „bestenfalls auf die Auslösebedingungen des Fehlverhaltens“ beziehen, nicht auf die zugrunde liegende Motivation.
Die Kriterien begründen auch, warum das die Prognose kippt: Wer Ursachen Umständen zuschreibt, die er nicht kontrolliert, erlebt sie als nicht beeinflussbar, und dann fehlt die Motivation zur Veränderung. Den nächsten Stau gibt es sicher.
Äußere Umstände sind damit nicht verboten. Beim Beispiel „Druck des Chefs“ aus den Beurteilungskriterien prüft der Gutachter die Fakten und wertet zusätzlich die Motive, etwa „mangelnde Durchsetzungsfähigkeit versus inneres Einverständnis mit ‚Schnellfahren als Leistung und Kompetenz‘“. Die Umstände gehören in deine Erklärung, aber nicht als Erklärung.
Verantwortung übernehmen heißt deshalb nicht, die Umstände zu leugnen. Es heißt, deinen eigenen Anteil an jeder einzelnen Entscheidung zu benennen, ohne die Schuld auf den Auslöser zu schieben.
Zwei Antworten auf die Frage, warum es damals so eilig war
Konstruiertes Beispiel.
Ein Außendienstler hat mehrere Tempoverstöße auf Dienstfahrten in der Akte. Der Gutachter fragt:
„Warum war es damals so eilig?“
Die Touren waren eng geplant, das stimmt. Aber ich habe dem Disponenten kein einziges Mal widersprochen, weil ich als der Zuverlässigste gelten wollte. Zu spät zu kommen hat sich für mich wie Versagen angefühlt. Und weil lange nichts passiert ist, habe ich mir das Tempo jedes Mal wieder erlaubt.
Ich hatte damals viel Stress, der Chef hat die Touren so eng geplant, das ging gar nicht anders. Jetzt passe ich besser auf.
Die zweite Antwort verlegt die Ursache nach außen und endet mit einem vagen Vorsatz. Die erste verbindet den Auslöser, den engen Tourenplan, mit einer inneren Ursache: Selbstwert über Leistung, fehlende Durchsetzung, Gewöhnung. Erst daran lässt sich prüfen, was sich geändert hat. Eine Musterantwort ist das nicht, auswendig Gelerntes fällt im Gespräch auf.
Das Ganze im Detail: Nach welchen Hypothesen urteilt der Gutachter?
Der Gutachter urteilt nach fünf Annahmen über mögliche Ursachen, die die Beurteilungskriterien, 5. Auflage, als „V-Hypothesen (Verkehrsauffälligkeit und Straftaten)“ führen (V 1 bis V 5). Jede Hypothese beschreibt eine mögliche Ursache deiner Auffälligkeiten und was sich bei dir geändert haben muss, damit das Gutachten positiv ausfällt.
Drei Hypothesen bilden eine Stufenfolge, die Kriterien sprechen von einem hierarchisch aufgebauten „Fehlregulationsmodell“ abnehmender Kontrollfähigkeit und zunehmender Impulsivität. Am leichtesten wiegen Fehleinstellungen und eingeschliffene Fahrgewohnheiten (V 3), am schwersten eine Störung, die sich durch viele Lebensbereiche zieht (V 1).
Die beiden übrigen prüfen körperliche und psychische Ursachen (V 4) und die Leistungsmöglichkeiten (V 5). Deshalb gehört auch zu einer MPU wegen Punkten der ärztliche Teil, und je nach Akte kann ein Leistungstest dazukommen.
Bei gemischten Akten zählt grundsätzlich die schwerere Ausprägung. Eine Ausnahme gilt nur, wenn beides zutrifft: Der Schwerpunkt der Delikte liegt deutlich im leichteren Bereich, und die schwerere Tat hat klar Ausnahmecharakter. Eine aggressive Tat zwischen vielen Tempoverstößen kann die Bewertung also auf eine strengere Stufe heben.
Die Einordnung trifft die Begutachtungsstelle, nicht die Fahrerlaubnisbehörde und nicht du. Die Akte ist dafür ein erster Anhaltspunkt. Geklärt wird die Einordnung in der Begutachtung selbst, vor allem im psychologischen Untersuchungsgespräch, zusammen mit den übrigen Befunden. Mit der Einschätzung bist du vorher trotzdem nicht allein: Im Beratungsgespräch und im ersten Gespräch mit deinem Psychologen ordnen wir in einem eigenen diagnostischen Gespräch ein, wo du voraussichtlich stehst. Die verbindliche Einordnung trifft die Begutachtungsstelle.
Die fünf V-Hypothesen in Alltagssprache, von der schwersten Stufe zur leichtesten, danach Medizin und Leistung.
Was unterscheidet die V-Hypothesen?
Hypothese
Was sie für dich bedeutet
Generalisierte Störung der emotionalen und sozialen Entwicklung (V 1)
Die Auffälligkeiten ziehen sich durch viele Lebensbereiche. Nach einem „in der Regel therapeutisch unterstützten Veränderungsprozess“ darf keine „grundsätzlich antisoziale Einstellung (mehr)“ erkennbar sein.
Verminderte Kontroll- und Anpassungsfähigkeit (V 2)
Gefühle, Impulse oder Gruppendruck haben dein Fahren gesteuert. Leitsymptom ist „die unzureichende Fähigkeit zur Selbstkontrolle“, verlangt sind „angemessene alternative Bewältigungsstrategien“.
Fehleinstellungen und problematische Fahrgewohnheiten (V 3)
Du hast Regeln nach eigenem Ermessen ausgelegt, Gewöhnung hat das verfestigt. Verlangt ist eine „weitreichende Einstellungs- und Verhaltensänderung“.
Keine psychische, neurologische oder körperliche Ursache (V 4)
Der ärztliche Teil klärt, ob eine Erkrankung die Verstöße mitverursacht hat.
Keine eingeschränkte Leistungsfähigkeit (V 5)
Der Leistungstest klärt, ob eingeschränkte Leistungsmöglichkeiten oder eine Intelligenzminderung dahinterstehen.
Die Begriffe in der Tabelle sind Fachsprache des Regelwerks. Sie beschreiben Prüfstufen, kein Urteil über einen Menschen. Die Übersicht dient der Orientierung, nicht der Selbsteinordnung. Welche Hypothese bei dir im Vordergrund steht, entscheidet die Begutachtungsstelle. Akte und Berichte sind dafür ein erster Anhaltspunkt. Entscheidend ist, was sich in der Begutachtung zeigt, vor allem im psychologischen Untersuchungsgespräch. Vorher ordnen wir im Beratungsgespräch und im ersten Gespräch mit deinem Psychologen in einem eigenen diagnostischen Gespräch ein, wo du voraussichtlich stehst.
Welche drei Fragen stehen hinter jeder Antwort im Gespräch?
Hinter jeder Antwort im psychologischen Gespräch stehen nach unserem Arbeitsmodell drei Prüffragen: welches Motiv dein Verhalten angetrieben hat, wie du zu Regeln stehst und wie du heute Gefühle und Impulse steuerst. Die einzelnen Fragen klingen verschieden, die Prüfabsicht dahinter bleibt in jedem Abschnitt des Gesprächs dieselbe.
Das Motiv. Die Beurteilungskriterien unterscheiden Motive wie Fahrspaß, soziale Anerkennung oder die Kompensation von Anspannung. Ein Beispiel aus den Kriterien: „Ich hatte den Anspruch, auch als Fahrer Spitze zu sein, so wie im Beruf auch“.
Die Haltung zu Regeln. Der Gutachter prüft, ob du Regeln als Schutz für alle siehst oder sie situativ deinen Interessen unterordnest. Typisch ist, wer Regeln „im Grunde akzeptiert“, sie aber bricht, weil ein anderes Motiv stärker war, etwa „pünktlich zu dem Kunden“ zu kommen.
Die Steuerung von Ärger und Druck. Die Kriterien beschreiben Klienten, die „leicht die Beherrschung“ verloren, wenn ein anderer Fahrer sie provozierte. Geprüft wird, ob du heute über tragfähige Bewältigungsstrategien für solche Situationen verfügst. Der Satz „Der andere hat mich provoziert“ zeigt dem Gutachter eher das Gegenteil. Wer ihn heute noch sagen würde, hat damit den Punkt gefunden, an dem die Vorbereitung ansetzt.
Die Reihenfolge der Fragen erklärt der Ratgeber dazu, wie das psychologische Gespräch bei Punkten aufgebaut ist.
Wie belegst du Veränderung ohne Laborwert?
Ohne Laborwert belegst du Veränderung über eine Erklärung, die trägt, und über ein Verhalten, das sich im Alltag bewährt hat. Wir arbeiten dafür mit der Drei-Säulen-Methode: echte Ursachen und Auslöser, stabile Veränderung, konkrete Rückfallstrategie. Jede Säule entspricht einer Anforderung der Beurteilungskriterien.
Echte Ursachen und Auslöser. Die Kriterien verlangen ein „individuelles Erklärungsmodell“, in dem du deine Handlungen „mit einer Ursachenattribution auf innere Bedingungen verknüpfen“ kannst. Die erste Säule trennt Auslöser und Ursache.
Stabile Veränderung. Bei verminderter Selbstkontrolle (V 2) verlangen die Kriterien, dass sich deine Änderungen „über einen längeren Zeitraum“ als stabil erwiesen haben, auch unter ungünstigen Umständen, nach einer verhaltensmodifizierenden Maßnahme „seit mindestens drei Monaten“.
Konkrete Rückfallstrategie. Du sollst Situationen schildern können, in denen die Versuchung bestand, frühere Verhaltensweisen wieder aufzunehmen, und zeigen, dass du konstruktiv damit umgegangen bist. Wie diese Strategien für deinen Fall aussehen, erarbeiten wir in der Beratung. In einen öffentlichen Text gehören sie nicht.
Ein äußeres Signal kommt dazu: Das Teilnahmezertifikat von MPU Guru geht an die Begutachtungsstelle. Unbequem, aber ehrlich: Das Zertifikat ersetzt kein Erklärungsmodell. Wer die Ursache weiter beim Chef oder beim Stau sieht, überzeugt nicht, mit oder ohne Bescheinigung.
Ein Resilienz-Training kann bei Punkten und Straftaten ein äußerer Beleg deiner Veränderung sein, ähnlich wie der Abstinenznachweis bei Alkohol oder Drogen. Die Beurteilungskriterien ordnen Angebote dieser Art klar ein: Sie können „Teilaspekte … durchaus günstig beeinflussen“, ohne „die persönliche Fahreignungsproblematik des Betroffenen insgesamt zu bearbeiten“. Ihre Wirkung ist „in die Gesamtentwicklung des Klienten einzuordnen“ (Kapitel C.5.1.2). Ein Resilienz-Training ersetzt also nicht, dass du deine Ursachen im Gespräch erklären kannst. Wie der Gutachter es gewichtet, entscheidet die Begutachtungsstelle.
Wie viel Zeit muss zwischen letztem Delikt und Begutachtung liegen?
Wir empfehlen mindestens sechs Monate zwischen dem letzten Delikt und dem Gutachten, in denen sich eine Verhaltensänderung sichtbar zeigt. Bis du bereit für die Begutachtung bist, rechnen wir ab deinem letzten Delikt mit sechs bis acht Monaten. Der Grund: Bei verminderter Selbstkontrolle (V 2) erwarten die Beurteilungskriterien, dass sich deine Veränderung über einen längeren Zeitraum stabil gezeigt hat, ohne fachliche Hilfe in der Regel über sechs Monate (Kriterium V 2.7 N).
Davon getrennt setzt das Gesetz Untergrenzen. Nach Punkten sind es sechs Monate ab der Ablieferung deines Führerscheins, sonst ab der Wirksamkeit der Entziehung (§ 4 Abs. 10 StVG). Nach einer Entziehung durch ein Strafgericht gilt die Sperre aus dem Urteil, sechs Monate bis fünf Jahre ab Rechtskraft (§ 69a Abs. 1 und 5 StGB). Den Antrag auf Neuerteilung kannst du jeweils frühestens sechs Monate vor Ablauf stellen (§ 20 Abs. 4 FeV).
Die Beurteilungskriterien setzen je nach Hypothese eigene Zeiten. Für die schwerste Stufe (V 1) nennen sie nach einem unterstützten Änderungsprozess „in der Regel“ zwölf, „frühestens jedoch“ sechs Monate, ohne therapeutische Hilfe in der Regel zwei Jahre.
Ein Konflikt gehört offen auf den Tisch. Ergeht die Anordnung wegen einer Straftat, während du die Fahrerlaubnis noch besitzt, liegt die Frist nach unserer Erfahrung meist bei vier bis acht Wochen, und verlängert wird sie dann nur selten. Liegt das letzte Delikt erst kurz zurück, passen diese Frist und die sechs Monate nicht zusammen. Bringst du das Gutachten nicht fristgerecht bei, darf die Behörde auf deine Nichteignung schließen (§ 11 Abs. 8 FeV).
Das ist kein Grund aufzugeben, aber ein Grund, früh anzurufen. Welcher Weg dann trägt, hängt von Delikt und Frist ab und gehört in die ersten Gespräche mit uns, am besten gleich nach Erhalt der Anordnung.
Was gilt, wenn Alkohol oder ein E-Scooter im Spiel war?
War Alkohol im Spiel, richtet sich die MPU nach den Vorschriften für Alkohol, und der Gutachter prüft nach den Alkohol-Hypothesen der Beurteilungskriterien. Dann spielen Abstinenz- oder Konsumnachweise eine Rolle, das gilt auch nach einer Fahrt mit dem E-Scooter unter Alkohol.
Kommen Verkehrsauffälligkeiten und Alkohol zusammen, kann die Anordnung beide Themen umfassen. Was zu klären ist, steht in der Fragestellung deiner Anordnung, und daran richtet sich die Vorbereitung.
Ob eine Trunkenheitsfahrt eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat war, erklärt der Ratgeber dazu, wann Alkohol am Steuer eine Straftat ist. Für Fahrten mit dem E-Scooter gibt es einen eigenen Ratgeber zur MPU nach einer Fahrt mit dem E-Scooter unter Alkohol.
Häufige Fragen zur MPU wegen Punkten und Straftaten
Ab wie vielen Punkten muss ich zur MPU?
Bei acht Punkten entzieht die Behörde die Fahrerlaubnis, wenn sie vorher ermahnt und verwarnt hat. Die MPU ordnet sie in der Regel erst an, wenn du eine neue Fahrerlaubnis beantragst.
Sind nach der MPU alle Punkte gelöscht?
Nicht durch die MPU, sondern durch die Neuerteilung. Punkte für Entscheidungen, die vorher rechtskräftig geworden sind, zählen dann nicht mehr und sind zu löschen (§ 4 Abs. 3 StVG).
Kann ich Punkte abbauen, bevor es zur MPU kommt?
Bei einem bis fünf Punkten bringt ein freiwilliges Fahreignungsseminar einen Punkt Abzug, höchstens einmal in fünf Jahren (§ 4 Abs. 7 StVG). MPU Guru bietet das Seminar nicht an.
Brauche ich bei einer MPU wegen Punkten einen Abstinenznachweis?
Nein, solange keine Alkohol- oder Drogenfragestellung dazukommt. Die Veränderung belegst du im Gespräch.
Welche Nachweise zählen bei Punkten und Straftaten?
Vor allem ein Erklärungsmodell, das zur Akte passt. Bescheinigungen über eine Vorbereitung stützen es. Bei einer Anordnung wegen acht Punkten oder wegen Verkehrsverstößen und Straftaten schließt die Fahrerlaubnis-Verordnung einen Kurs statt Gutachten aus. Anerkannte Kurse gibt es ohnehin nur für Alkohol und Drogen.
Führt auch eine Straftat ohne Auto zur MPU?
Sie kann es, wenn sie mit der Kraftfahreignung zusammenhängt, besonders bei Anhaltspunkten für ein hohes Aggressionspotenzial. Die Behörde entscheidet nach Ermessen.
Wie lange muss ich nach dem letzten Verstoß warten?
Wir empfehlen mindestens sechs Monate mit sichtbarer Veränderung bis zum Gutachten. Die Beurteilungskriterien setzen eigene Zeiten, bei der schwersten Stufe (V 1) deutlich längere.
Fallen bei der MPU wegen Punkten wirklich so viele durch?
2024 endeten je nach Anlassgruppe 42 bis 45 Prozent der Begutachtungen mit dem Ergebnis ungeeignet. Ob jemand vorbereitet war, zeigen diese Zahlen nicht. Eine eigene Quote für Punkte und Straftaten haben wir nicht.
Rechtsstand und Quellen
Rechtsstand geprüft am 05.10.2026: StVG, zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom 12. Mai 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 142), § 4 im Wortlaut Stand 26.08.2026, und § 11 FeV, Wortlaut abgerufen am 12.08.2026. Außerdem §§ 69, 69a und 142 StGB (Stand 26.08.2026), § 21 StVG (Stand 02.10.2026) und § 20 FeV (abgerufen am 12.08.2026). Beurteilungskriterien, 5. Auflage: Kapitel B.4 (Vorbemerkung zu den V-Hypothesen), Leitsätze V 1 bis V 5, Kriterien V 1.5 N, V 2.2 N, V 2.3 N, V 2.7 N, V 3.3 N, Kapitel A.3, C.1 und C.5.1.2. Zahlen: Tabelle 1 der BASt-Langfassung für die Anlassgruppen, Pressemitteilung 10/2025 der BASt vom 17.12.2025 für die Gesamtzahl und die Quote über alle Anlässe.
Erfahrungswerte von MPU Guru, nicht extern belegt: die sechs Monate bis zum Gutachten, sechs bis acht Monate ab dem letzten Delikt, bis du bereit für die Begutachtung bist, Frist und Verlängerung, die Fahrverhaltensbeobachtung, die Deliktübersicht, der Blick ins Außen und die drei Prüffragen als unser Arbeitsmodell.
§ 4 StVG · § 11 FeV · BASt, Begutachtung der Fahreignung 2024 · Beurteilungskriterien, DGVP
Literatur
Brenner-Hartmann, J., Fastenmeier, W., & Graw, M. (Hrsg.) (2026). Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung: Beurteilungskriterien. 5. überarbeitete und erweiterte Auflage. Bonn: Kirschbaum Verlag. ISBN 978-3-7812-2162-8.
Bundesanstalt für Straßenwesen. (2025). Begutachtung der Fahreignung 2024: Langfassung. BASt. https://www.bast.de/DE/Presse/Downloads/2025-Langfassung-MPU.pdf
Bundesanstalt für Straßenwesen. (2025, 17. Dezember). Pressemitteilung 10/2025 zur Begutachtung der Fahreignung 2024. BASt.
Erst die Ursachen, dann das Gespräch
Bei Punkten und Straftaten entscheidet, ob deine Erklärung trägt. Wir sind Psychologen, spezialisiert auf die Wiedererlangung des Führerscheins über die MPU. Im kostenlosen Erstgespräch nehmen wir deine Eckdaten auf, im Kennenlerngespräch ordnen wir deine Fragestellung und den Zeitraum bis zum Termin ein. Beide Gespräche kosten nichts.